
Einige Grundbegriffe der Kunsttherapie
Die Definitionen stammen von den Gründern der Multimedialen Kunsttherapie, bzw. dem Weiterbildungsteam im Lehrgang,
Entnommen sind sie dem "Wörterbuch der Psychotherapie", Springer-Verlag/Wien, Herausgeber: Gerhard Stumm, Alfred Pritz
GESTALTUNGSPROZESS (in d. Kunsttherapie)
In diesem
Geschehen entwickelt der Kunsttherapeut gemeinsam mit dem
Klienten eine künstlerische Sprache, um dessen Ausdrucks- und
Mitteilungsmöglichkeiten zu erweitern. Wo neue
Ausdrucksmöglichkeiten entstehen,
wächst die Fähigkeit, bisher Unbewußtes,
Abgespaltenes oder Verdrängtes zu integrieren. Es werden neue
Bewältigungsformen und Lösungsstrategien gefunden. Der
Gestaltungsprozess läßt sich nicht nur auf
künstlerische Ausdrucksformen beschränken. Josef
Beuys sagt dazu: „Alle Fragen der Menschen können nur
Fragen der Gestaltung sein, und das ist der totalisierte Kunstbegriff.
Er bezieht sich auf jedermanns Möglichkeit, prinzipiell ein
schöpferisches Wesen zu sein, und auf die Fragen des sozialen
Ganzen.“(Katalog documenta, S.156) Beuys` Konzept des erweiterten
Kunstbegriffs oder der „sozialen
Plastik“ (J.Beuys, Ich durchsuche Feldcharakter, S.121), der
Vision einer zukünftigen Gesellschaftsordnung als Gesamtkunstwerk,
hat die Kunsttherapie stark beeinflußt, stellt den
Gestaltungs-Prozess in den Vordergrund und macht ihn auch als
politischen Akt bewußt. Der Gestaltungsprozess ist ein
Wechselspiel von Wahrnehmung und Aktion, das unser Umfeld ordnet, formt
und entspricht der Innenwelt der Gefühle und Gedanken, die auf der
symbolischen Ebene ein „Probehandeln“
ermöglichen. „Der bildnerische Prozeß an sich
wirkt (selbst-) therapeutisch, weil er selbst-formende,
selbstregulierende, integrierende und harmonisierende Prozesse
fördern und initiieren kann. Therapeutische Interventionen
verstärken diese Wirkung oder ermöglichen sie, wo sie von
selbst nicht geschehen kann. Im Vergleich zu Behandlungs-Methoden in
der Medizin entspricht dieser Ansatz nicht der Symptombehandlung,
sondern der Stärkung von Selbstregulativen Systemen wie dem
Immunsystem, um dem Körper zu ermöglichen, selbst mit seinen
Krankheiten fertig zu werden, sich selbst zu regulieren und zu
heilen.“ (->Schottenloher,Weg als Ziel: Bildnerisches
Gestalten als Therapie? ,in : Wenn Worte fehlen,... S.38) Dieses
Prinzip lässt sich auch auf andere Ausdrucksformen anwenden, wie
zum Beispiel Musik, Tanz, Theater, Schreiben, aber auch bei der
Optimierung von Bewegungsabläufen manueller oder sportlicher
Tätigkeit.
Literatur:
Josef Beuys: Jeder Mensch ein Künstler (Frankfurt/Main 1975, Ullstein-Verlag)
Josef Beuys, Ich durchsuche Feldcharakter, in: Volker Harlan, Rainer Rappmann, Peter Schata,
Soziale Plastik, Materialien zu Josef Beuys, Achberg 1984.
Katalog documenta 6 , Kassel 1977
Erich Franzke: Der Mensch und sein Gestaltungserleben( Bern-Stuttgart-Wien 1983, Verlag Hans Huber)
Karl-Heinz Menzen: Vom Umgang mit Bildern( Köln 1990, Claus Richter Verlag)
Gertraud Schottenloher (Hrsg.): Wenn Worte fehlen, sprechen Bilder ( München 1994, Kösel Verlag)
A.Chicken
KREATIVITÄT
Persönlichkeitsmerkmal,
das die Lebensgestaltung und
Lebensbewältigung grundlegend mitbestimmt und im Lebensvollzug mit
seelischer Gesundheit in Verbindung gebracht wird. Etwas Neues,
bisher nicht Gedachtes zu denken, zu tun und zu gestalten und
Dichotomien in Einheiten auflösen, zu integrieren. K. ist nicht
nur auf die künstlerischen, literarischen oder musikalischen
Ausdrucksformen beschränkt. Der Zusammenhang zeigt sich auch in
der Bewältigung des Alltags,
im Kontakt mit Mitmenschen und in der sprachlichen
Artikulation.(->Albert Rothenberg) Kunst und Kreativität werden
von Kohut (S.31) nicht nur als eine Möglichkeit zur
Spannungsminderung, sondern auch der Ich-Stärkung angesehen.
„Wir beobachten, daß Menschen entweder kreativ leben und
das Leben für lebenswert halten, oder daß sie es nicht
kreativ leben können und an seinen Wert zweifeln. Dieser
Unterschied zwischen einzelnen Menschen hängt direkt mit der
Qualität und Quantität der Umweltbedingungen zu Beginn oder
in den ersten Phasen der individuellen Lebenserfahrung
zusammen.(->Winnicott,S.84)..Mehr
als alles andere ist es die kreative Wahrnehmung, die dem einzelnen das
Gefühl gibt, daß das Leben lebenswert
ist.(Winnicott,S.78)..Der intermediäre Bereich, von dem ich hier
spreche, ist jener Bereich, der dem Kind zwischen primärer K. und
auf Realitätsprüfung beruhender, objektiver Wahrnehmung
zugestanden wird. Die Übergangsphänomene repräsentieren
die frühen Stadien des Gebrauchs der Illusion, ohne den ein
menschliches Wesen keinen Sinn in der Beziehung zu einem Objekt finden
kann, das von anderen als Objekt wahrgenommen wird, das außerhalb
des Kindes steht.“(->Winnicott,S.21)
„Beim
Menschen kann seine Spontaneität seiner K. diametral
entgegengesetzt sein. Der Katalysator der K. ist die
Spontaneität. K. ist auf den „Akt“ selbst bezogen;
Spontaneität
ist auf die „Bereitschaft“ zum Akt
bezogen.“(->Jakob L. Moreno). Im humanistischen Ansatz wird K.
mit der Intensität des Wahrnehmens, der persönlichen
Entfaltung und der Selbstverwirklichung in Verbindung gebracht.
In der
Kunsttherapie wird Wachstum, Fähigkeit zur Interaktion und
Kommunikation, Selbstaktualisierung mit ->kreativen Medien trainiert
und
stimuliert.
Literatur:
Karl-Heinz Brodbeck: Entscheidung zur Kreativität (Darmstadt 1995,Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
Gottlieb Guntern(HG.) Internationales Zermatter Symposium:
Kreativität in Wirtschaft,Kunst und Wissenschaft
(Dokumentationsbände zu den einzelnen Symposien, Zürich
1993,94,95,96, Scalo Verlag)
Heinz Kohut: Die Heilung des Selbst (Frankfurt/Main 1993, Suhrkamp)
Hilarion Petzold, Ilse Orth(Hrsg.): Die neuen Kreativitätstherapien, Band 1 und 2 (Paderborn 1990,Junfermann)
D.W. Winnicott: Vom Spiel zur Kreativität (Stuttgart 1989,Klett-Cotta)
Rollo May: Der Mut zur Kreativität (Paderborn 1987, Junfermann)
Erich Neumann: Der schöpferische Mensch (Frankfurt/Main 1995, Fischer)
Albert Rothenberg: Kreativität in der Psychotherapie (Köln 1989, Edition Humanistische Psychologie)
Judith Aron Rubin(Hrsg.): Richtungen und Ansätze der Kunsttherapie (Karlsruhe 1991,Gerardi Verlag für Kunsttherapie)
A.Chicken
SYNÄSTHESIE
Die Stimulierung
eines Sinnes ruft entsprechende Empfindungen in einer anderen
Stimulationsmodalität hervor. Die häufigste Form von
Synästhesie ist das
Farbenhören: Klänge, Instrumente, wie zum Beispiel der
Klang einer Geige evozieren gleichzeitig mit der auditiven Wahrnehmung
das visuelle Bild einer bestimmten Farbe. (-> D.N.Stern,
S.221) Es gibt aber auch andere Querverbindungen wie z.B.:
Hören/Tasten, Sehen/Riechen,ect. Nach D.N.Stern´s
Terminologie entspricht S. dem amodalen (nicht
auf einen Sinn eingegrenzten) Wahrnehmungsmodus des Kleinkindes.
“Fähigkeit – die in einer bestimmten
Sinnesmodalität aufgenommene Information irgendwie in eine andere
Sinnesmodalität übersetzen zu
können.“(->D.N.Stern, S.79) „Kreuzmodale
Assoziationen“(R.E. Cytowic, S.119) sind eigentlich eine Basis
unseres Denkens, die von
abstrakteren
Ebenen überlagert, auf einer unbewußten Ebene ablaufen. Bei
Synästhetikern werden diese Assoziationen nicht ausgesondert,
sondern brechen ins Bewußtsein durch. Auch im Sprachgebrauch
taucht dieses Phänomen immer wieder auf: z.B. in Begriffen wie
„Klangfarbe“. In der multimedialen Kunsttherapie wird die
S. und die Kreuzmodale
Assoziation mit dem ->intermedialen Transfer
stimuliert, tiefe (frühe) Schichten der Psyche angesprochen
und Selbstheilungs-Prozeße eingeleitet.
Literatur:
Richard E. Cytowic: Farben hören, Töne schmecken München 1995, Deutscher Taschenbuch Verlag)
Daniel N. Stern: Die Lebenserfahrung des Säuglings ( Stuttgart 1994, Klett-Cotta)
A.Chicken
Chicken, Andreas, Mag.art., 1952, Psychotherapeut, Ausbildung in
integrativer Gestalttherapie, Lehrkunsttherapeut für Multimediale
Kunsttherapie im ÖAGG, Kunsttherapeut und Supervisor in freier
Praxis, Wien.
KUNSTTHERAPIE
Sammelbegriff für ein therapeutisches Verfahren, das mit Medien
arbeitet, deren sich auch Künstler bedienen. Sie umfasst das ganze
Spektrum des menschlichen Ausdrucks. Die Kunsttherapie unterscheidet
zwischen Kunsttherapie, die schwerpunktmäßig mit einem
Medium arbeitet, z.B.bildnerische Kunst, Musik, Tanztherapie, und
Kunsttherapie, die mehrere Medien in ihre therapeutische Arbeit
integriert, z.B. -> Ausdrucks-,
->Intermediale-,
und -> multimediale Kunsttherapie.Im
Mittelpunkt kunsttherapeutischer Arbeit steht der nonverbale oder auch
durch das Wort (->Rollenspiel etc.) zum Ausdruck gebrachte, oft
-> unbewußte seelische Zustand des Klienten. Rezeptive oder
aktive kunsttherapeutische Anregungen seitens des Therapeuten
erleichtern diesen Prozeß. Das spezifische Charakteristikum
der Kunsttherapie ist, daß sie auch in der Arbeit mit Menschen,
die sich der Sprache nicht oder nur schwer bedienen können,
erfolgreich eingesetzt werden kann. Die Aufarbeitung
kunsttherapeutischer Prozesse wird durch den Ausbildungshintergrund des
Kunsttherapeuten beeinflusst. Sie wird z.B. auf der Ebene der sozialen
Beziehung, des
künstlerischen Entstehungsprozesses, aber auch auf das Material
und Werk bezogen, stattfinden. Der bewußte Einsatz einzelner
Medien zum Zwecke der Beeinflussung psychischer und physischer
Vorgänge erfolgte, geschichtlich gesehen, zu unterschiedlichen
Zeiten. In den magischen -> Ritualen der Schamanen finden sich
bereits „multimediale“Inszenierungen (Rhythmus, Gesang,
Tanz, Materialgestaltungen und Sprache). Mit dem ausklingenden
19. Jahrhundert beginnen die naturwissenschaftlichen und medizinischen
Untersuchungen, die den Einfluß der Musik auf psychische und
physische Vorgänge zum Inhalt haben, und die sich bis heute
fortsetzen. Zur gleichen Zeit erfolgt auch die Annäherung der
bildnerische Kunst zur Psychologie und Therapie. Die moderne Kunst
bereitet den Boden für einen antropologisch erweiterten
Kunstbegriff. Anwendungsbereich der Kunsttherapie sind ambulante und
stationäre Einrichtungen der -> Psychiatrie, ->
Psychosomatik, -> Rehabilitation,
-> Heilpädagogik etc. Bewährt hat sie sich als
Möglichkeit intensiver ->Selbsterfahrung, sowie bei
entsprechenden Ausbildungshintergrund als eigene Psychotherapieform.
Innerhalb diverser Psychotherapieschulen wird sie als
Methodenerweiterung geschätzt.
Empfohlene Literatur:
Knill PJ (1979) Ausdruckstherapie. Halle/Westfalen, Ohlsen Verlag
Petzold H & Orth I (Hg.) (1990) Die neuen Kreativitätstherapien, Bd 1 und 2 Paderborn
Judith Aron Rubin (Hg.) (1987) Approaches To Art Therapy. New York, Brunner/Mazel
Gertraud Schottenloher (Hg.): Wenn Worte fehlen, sprechen Bilder ( München 1994, Kösel Verlag)
Stella.Mayr
INTERMEDIALE VERSTÄRKUNG
Dieser von Paolo Knill geprägter Begriff besagt, daß der
-> Intermediale Tranfer dazu dienen kann, ein Erlebnis zu
intensivieren, in Berührung mit bisher unentdeckten Gefühlen
zu kommen, einen stärkeren Ausdruck bzw. eine umfassende ->
Katharsis zu erreichen und den -> Gruppenprozeß zu
intensivieren. Entsprechend diesen Zielen, wird der Kunsttherapeut (in
Kenntnis der schwerpunktmäßigen Wirkung der einzelnen
Medien) seine Anregungen zum -> multimedialen Transfer geben. In der
Praxis wird ein schrittweiser Tranfer bevorzugt, der eine
allmähliche Entwicklung der oben angeführten Ziele im
Hinblick auf ihre Verstärkung ermöglicht.
Literatur:
Knill PJ (1979) Ausdruckstherapie. Halle/Westfalen, Ohlsen Verlag
Stella Mayr
REZEPTIVE KUNSTTHERAPIE
Durch die sinnliche Wahrnehmung künstlerischer Ausdrucksformen (z.B. Bildbetrachtung, Musikhören etc.)
wird psychisches Material in Bewegung gesetzt und beeinflußt,
z.B. können über den gezielten Einsatz rezeptiver
kunsttherapeutischer Angebote Stimmungen beeinflußt, Entspannung
oder Aktivität hervorgerufen, als auch ->Assoziationen oder Erinnerungen mobilisiert werden.
Durch sie kann auch auf das Vegetativum starker Einfluß
ausgeübt werden (z.B. auf Atmung und Herzschlag). Älteste
bewusste Anwendungen rezeptiver Kunsttherapie erfolgten über das
Medium Musik. Über die Wirkungen dieses Mediums gibt es auch die
meisten wissenschaftlichen Arbeiten. Hans Helmut Decker-Voigt
beschreibt eine eigene rezeptive Musikpsychotherapie. Innerhalb der
diversen Kunsttherapierichtungen und da insbesondere im Rahmen der
multimedialen, haben die rezeptiven Angebote ihren festen Platz (z.b.
technische Medien wie Video, Film, Tonband, CD, Fotographie etc. sowie
"life"- Aufführungen unterschiedlichster Art). Für intensive
Rezeption im Museum wurden spezielle Designs entwickelt. Die
Eindrücke und Wirkungen dieser Angebote werden nach der Rezeption
reflektiert und aufgearbeitet. Im Gegensatz zur rezeptiven
Kunsttherapie steht die häufiger angewendete aktive Kunsttherapie,
bei der die Umsetzung innerpsychischer Vorgänge in von außen
wahrnehmbare Zeichen (z.B. Tanzen, Malen, Pantomime) erfolgt.
Literatur:
Hans Helmut Decker-Voigt (1991) Aus der Seele gespielt. München, Wilhelm Goldmann Verlag
Behne K E (1995) Wirkungen von Musik. in (S. Helms, R. Schneider, R.
Weber) (Hg) Kompendium der Musikpädagogik. Kassel, Bosse 333-348
Stella Mayr
Mayr, Stella, Prof., analytisch orientierte Psychotherapeutin, Musik- und Lehrmusiktherapeutin,
Mitarbeiterin des Lesley College for Expressive Therapy,
Lehrkunsttherapeutin für Multimediale Kunsttherapie im ÖAGG,
Kunsttherapeut und Supervisor in freier Praxis, Wien.
AUSDRUCK
( ->Ausdruckstherapie, ->Kunsttherapie)
Im Ausdruck
werden innerpsychische Zustände oder Vorgänge in
körperlichen Erscheinungen, Verhaltensweisen und Ergebnissen
menschlicher Tätigkeiten wahrnehmbar. Menschliche Ausdrucksformen
können verbal oder ->nonverbal sein, dazu gehören
einerseits z.B. Physiognomie, Mimik, Pantomime, Gestik und Motorik,
Stimme und Sprechweise, Handschrift und andererseits die Ergebnisse von
Gestaltungen wie Zeichnungen, Musik, Kunstwerke, etc. Bedeutsam
für die Kunsttherapie sind der „direkte
Gefühlsausdruck“(Knill 1979) eines Menschen durch verbale
und nonverbale Äußerungen , wie auch der
„künstlerische Ausdruck“ in Form von verbalen und
nonverbalen Gestaltungen (->Gestaltungsprozeß) – oft
unter Einbeziehen -> kreativer Medien. Die Wechselwirkung zwischen
beiden spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, so können
„Gefühlsausdruck“ und „künstlerischer
Ausdruck“ sich gegenseitig unterstützen. Ausdruck und
Wahrnehmung sind notwendige Bestandteile jeder Kommunikation. In
der Kunsttherapie dient der künstlerische Ausdruck auch als
Mittel, um Beziehung und Kommunikation zu fördern, die durch die
Interaktion der Menschen, die zusammen
arbeiten,
entsteht. Kunst kann als eines der ursprünglichsten
Ausdrucksmittel des
Menschen angesehen werden, sie ermöglicht daher besonders
wirkungsvoll, für den eigenen Ausdruck empfänglich zu werden,
seine Bedeutung Wahrzunehmen und die Ausdruckskompetenz zu steigern.
Die verschiedenen Richtungen der Kunsttherapie konzentrieren sich
entweder überwiegend auf die Arbeit mit einem Ausdrucksmedium,
oder sie kombinieren mehrere Medien wie z.B.
die Ausdruckstherapie (Knill 1979), die intermediale
Kunsttherapie(Petzold u.a.) oder die -> multimediale Kunsttherapie
(Institut für multimediale Kunsttherapie).
Literatur:
Knill PJ(1979): Ausdruckstherapie. Halle/Westfalen, Ohlsen Verlag
Siegrid Schneider/Sommer
INTERMEDIALER TRANSFER
Als
Intermedialen Transfer bezeichnet man ein Konzept aus der ->
Ausdruckstherapie, das auch In der ->multimedialen ->
Kunsttherapie angewendet wird. „Wenn man in einem bestimmten
Ausdrucksmedium arbeitet und dann
direkt zu einem anderen Medium übergeht, wobei die Erfahrungen und
Ergebnisse des vorangegangenen Prozesses miteinbezogen werden, wird
dieser Wechsel „intermedialer Transfer“ genannt "(Knill,
1979: 82). Eine verbale Reflexion findet bei dieser Arbeitsweise in der
Regel erst am Schluß des gesamten Prozesses statt, so daß
der unmittelbare künstlerische -> Ausdruck in den verschiedenen
Kommunikationsmedien ununterbrochen im Fluß bleibt. Das
Experimentieren mit unterschiedlichen Medien bewirkt sowohl eine
medienspezifische Selbsterfahrung als auch eine Sensibilisierung
für das einzelne Medium in Abgrenzung zu anderen Medien.
Zusätzlich weckt der wirkungsvolle Wechsel der Medien ein
gesteigertes Empfinden für Übergänge und das Erleben des
Verbindens von Unterschieden, die in ihrer Eigenart bestehen bleiben
dürfen. Alle Sinne werden umfassend Angeregt
(->Synästhesie) und die -> kreativen
Ausdrucksmöglichkeiten vertieft und erweitert.
Die einzelnen
Medien haben eine unterschiedliche sozialpsychologische Wirkung: So hat
z.B. visuell-optisches Gestalten wie Malen eine mehr
individualisierende, hingegen Tanz eine mehr interaktive Wirkung.
„Wenn ein Transfer in ein anderes Medium des künstlerischen
Ausdrucks eine reflektierte und integrative Verarbeitung fördert,
spricht man von „intermedialer Verarbeitung“(Knill, 1979:
103).
Knill PJ (1979) Ausdruckstherapie Halle/Westfalen, Ohlsen Verlag
Siegrid Schneider-Sommer
MULTIMEDIAL
Dieser Begriff bezieht sich ursprünglich auf multimediale Veranstaltungen, bei denen visuelle
und akustische Medien zusammen eingesetzt werden (moderne Formen des Gesamtkunstwerkes).
Die Psychotherapie integrierte schon in ihren Anfängen
verschiedene Kunstformen wie Theater, Musik oder bildnerische
Künste (->Jung, ->Moreno, ->Perls)
In den letzten 30 Jahren entwickelten sich in den USA und Europa psychotherapeutische Konzepte, die
mehrere
künstlerische Ausdrucksformen zusammen oder in Abfolge im
therapeutisch-künstlerischen Prozeß einsetzen: z.B. Musik,
Tanz, Malerei, Plastik, Literatur, Theater, Pantomime, Video, Arbeit
mit Masken, Improvisation u.a. Diese „multimediale“
Arbeitsweise wird durch begleitende Reflexion und theoretische Konzepte
ergänzt.
Auch die ->
rezeptive Kunsttherapie wird miteinbezogen. Ziel der
„multimedialen“ Arbeitsweise ist es, die spezifischen
Eigenschaften der verschiedenen kreativen Ausdrucksformen für den
psychotherapeutischen Prozeß zu nutzen und diese wirkungsvoll zu
kombinieren (-> intermedialer Transfer). Im Mittelpunkt steht die
Entfaltung des kreativen Potentials (->Kreativität) sowie die
Erweiterung des therapeutischen Handlungsspielraumes, der Zugang zu oft
unbewußten Ressourcen und Konflikten, das Erweitern von
Wahlmöglichkeiten in Einstellung und Verhalten. Die Teilnehmer
können zudem je nach Neigung und Begabung zwischen mehreren
Ausdrucksformen wählen sowie neue Erfahrungen mit bislang
unbekannten Medien machen. Multimediale Kunsttherapie ermöglicht
eine alle Sinne umfassende „totale Kommunikation“. Sie
fördert die Integration unbewußter Inhalte und stimuliert
analoges und vernetztes Denken.
Knill PJ (1979)Ausdruckstherapie (Halle/Westfalen, Ohlsen Verlag)
Petzold H & Orth I (Hg.) (1990) Die neuen Kreativitätstherapien, Bd 1 und 2 Paderborn
Siegrid Schneider-Sommer
Schneider-Sommer, Siegrid, 1945, Mag.art. Dr.Phil.,
Psychotherapeutin (Klientenzentrierte Psychotherapie, Hypnose),
Kunsttherapeutin und Supervisorin in freier Praxis, Klinische-und
Gesundheitspsychologin,
Lehrkunsttherapeutin für Multimediale Kunsttherapie im ÖAGG,
Trainerin für Neurolinguistisches Programmieren (NLP),
system.Familienberatung
Symbolik
(In der -> Kunsttherapie). Inhalte, die im -> Gestaltungsprozess
und im künstlerischen Produkt zum Ausdruck kommen.
Persönliche Inhalte werden in der kunsttherapeutischen Sitzung
großteils unbewußt, im jeweiligen Medium (-> Kreative
Medien) in symbolischer Form ausgedrückt und dargestellt.
Ähnlich wie Winnicott (1973) das Kinderspiel als freien
symbolischen Umgang mit der inneren wie der äußeren Welt
beschrieben hat, bietet die Kunsttherapie einen Spielraum für
Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten und ->
Kreativität. Die Auswahl der Medien und die Art ihrer Anwendung
ermöglichen Auseinandersetzungen, die auf symbolischen Wege
wichtige unbewußte Inhalte transportieren, ordnen, und neu
organisieren. Diese symbolischen Aktivitäten und Schöpfungen
können in der kunsttherapeutischen Sitzung durch Zeichnen und
Malen, durch Formen von Ton, durch Bewegungimprovisation, durch
literarische Aktivität, Spiel mit Musikinstrumenten (auch durch
Einsatz von Stimme und Geräuschen) etc. oder durch
Verknüpfung der verschiedenen Medien (-> multimedial)
entstehen. Nicht nur das symbolische künstlerische Produkt ist von
Bedeutung; oft steht der Weg des Entstehens, die Auseinandersetzung mit
dem Medium im Mittelpunkt (-> Gestaltungsprozess). Die
Auseinandersetzung mit Material ermöglicht konkretes, spontanes
und kreatives Handeln mit Sehbarem, Hörbarem, Fühlbarem und
Greifbarem (also Begreifbarem) im symbolischen Raum, das seinen Sinn
nicht dauernd preisgeben muß. So kann in der Kunsttherapie im
Gespräch über ein künstlerisches Produkt oder über
seinen Werdegang die symbolische Ebene je nach den Bedürfnissen
des Klienten mehr oder weniger verlassen werden. Therapeut und Klient
können sich z.B. auf ein entstandenes Bild in der Form beziehen,
daß beschrieben wird, was dargestellt wird, oder sie können
sich mehr oder weniger damit auseinandersetzen, was das Dargestellte
über den Klienten selbst aussagt, was es mit seiner
Realität zu tun hat. (vgl. Rubin,1984). Diese
Möglichkeit, auf symbolischer Ebene zu bleiben (z.B. über
einen im Bild dargestellten Vulkan zu sprechen ohne die diesem Symbol
beim Klienten zugrundeliegendenden Emotionen anzusprechen), gibt dem
Klienten die Möglichkeit, sich sicher zu fühlen und trotzdem
für sich wichtige Auseinandersetzungen führen zu können.
Literatur
Rubin J A (1984) The art of art therapy. New York, Brunner/Mazel
Winnicott D W (1973) Vom Spiel zur Kreativität. Stuttgart, Klett-Cotta
Thomas Mayr
Kreative Medien
Bezeichnung für die in der -> Kunsttherapie
verwendeten künstlerischen Methoden, Techniken und Medien.
Die spezifischen Eigenschaften der verschiedenen kreativen Medien und
ihre Kombination (->multimedial,- >intermedialer Tranfer, ->intermediale
Verstärkung) werden in der Kunsttherapie im Hinblick auf
interpersonale und intrapersonale Aspekte für den therapeutischen
Prozess genutzt und bestimmen so die Auswahl der Medien in der Therapie
mit. (vgl. Knill, 1979) . Durch die Arbeit mit kreativen Medien
wie Tanzen, Malen, Pantomime, Schreiben, Musizieren etc. findet
der in der Kunsttherapie wichtige -> Gestaltungsprozess
im symbolischen Raum (-> Symbolik) statt.
Knill PJ(1979): Ausdruckstherapie. Halle/Westfalen, Ohlsen Verlag
Knill PJ (1991) Neue Entwicklungen der Therapie mit kreativen Medien.
In: Petzold H & Orth I (Hg) Die neuen Kreativitätstherapien.
Paderborn, Jungfermann Verlag
Thomas Mayr
Nonverbal
Der Begriff beinhaltet im Grunde alle nicht-sprachlichen Ausdrucks- ,
Wahrnehmungs- und Erlebensweisen des Menschen. Das Nonverbale
ermöglicht Verständigung auch über sprachliche Barrieren
hinweg. Forschungen von Daniel Stern über die Bedeutung der
globalen Erlebnissweisen vor dem Spracherwerb, zeigen die Wichtigkeit
der averbalen Welt des Kleinkindes in ihrer Bezogenheit zur Welt der
Sprache der Erwachsenen. Die Entwicklung zum Erwachsenen und sein Leben
werden durch sie nachhaltig beeinflußt. Die Kunsttherapie
nützt, wenn sie mit dem Klienten mit -> kreativen Medien
arbeitet, die authentischen Erlebnis- und Ausdrucksmöglichkeiten
des averbalen für den therapeutischen Prozess und schaft neue
versöhnlichere Übergänge zum Erwachsen sein. Beim
Eintauchen in die Welt des averbalen kommt der Klient
wieder in spielerischer und experimenteller Weise mit
verschütteten Fähigkeiten in Kontakt, welche mitteilbar und
reflektierbar werden.
Stern D N (1991) Tagebuch eines Babys, München, Piper
Stern D N (1992) Die Lebenserfahrung des Säuglings, Stuttgart, Klett-Cotta
Thomas Mayr
Thomas MAYR, Psychotherapeut (psychoanalytisch orientierte
Psychotherapie), Kunsttherapeut und Supervisor in freier Praxis,
Lehrkunsttherapeut für Multimediale Kunsttherapie im ÖAGG,
Tanzpädagoge (moderner Ausdruckstanz, Konservatorium Wien),
Bewegungsanalytiker/Tanztherapeut,
Ausbildner für Bewegungsanalyse