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Andy Chicken: Der Gestaltungsprozess in der Kunsttherapie

In diesem Geschehen entwickelt der Kunsttherapeut gemeinsam mit dem Klienten eine künstlerische Sprache, um dessen Ausdrucks- und Mitteilungsmöglichkeiten zu erweitern. Wo neue Ausdrucksmöglichkeiten entstehen, wächst die Fähigkeit, bisher Unbewusstes, Abgespaltenes oder Verdrängtes zu integrieren. Es werden neue Bewältigungsformen und Lösungsstrategien gefunden. Der Gestaltungsprozess lässt sich nicht nur auf künstlerische Ausdrucksformen beschränken. Josef Beuys sagt dazu: „Alle Fragen der Menschen können nur Fragen der Gestaltung sein, und das ist der totalisierte Kunstbegriff. Er bezieht sich auf jedermanns Möglichkeit, prinzipiell ein schöpferisches Wesen zu sein, und auf die Fragen des sozialen Ganzen.“ (Katalog documenta, S156).
    Beuys’ Konzept des erweitertes Kunstbegriffs oder der „sozialen Plastik“ (Beuys, Ich durchsuche Feldcharakter, S. 121), der Vision einer zukünftigen Gesellschaftsordnung als Gesamtkunstwerk, hat die Kunsttherapie stark beeinflusst. Der Gestaltungsprozess ist ein Wechselspiel von Wahrnehmung und Aktion, das unser Umfeld ordnet, formt und entspricht der Innenwelt der Gefühle und Gedanken, die auf der symbolischen Ebene ein ‚Probehandeln’ ermöglichen. „Der bildnerische Prozess an sich wirkt (selbst-)therapeutisch, weil er selbst-formende, selbstregulierende, integrierende und harmonisierende Prozesse fördern und initiieren kann. Therapeutische Interventionen verstärken diese Wirkung oder ermöglichen sie, wo sie von selbst nicht geschehen kann. Im Vergleich zu Behandlungsmethoden in der Medizin entspricht dieser Ansatz nicht der Symptombehandlung, sondern der Stärkung von selbstregulativen Systemen wie dem Immunsystem, um dem Körper zu ermöglichen, selbst mit seinen Krankheiten fertig zu werden, sich selbst zu regulieren und zu heilen.“ (Schottenloher, Weg als Ziele: Bildnerisches Gestalten als Therapie? in: Wenn Worte fehlen, S.38). Dieses Prinzip lässt sich auch auf andere Ausdrucksformen anwenden, wie zum Beispiel Musik, Tanz, Theater, Schreiben, aber auch bei der Optimierung von Bewegungsabläufen manueller oder sportlicher Tätigkeit. ()

Literatur:
Beuys, Josef (1975). Jeder Mensch ein Künstler; Frankfurt Ullstein Verlag   
Beuys, Josef (1984). Ich durchsuche Feldcharakter in: Harlan, Volker; Rappmann, Rainer; Schata, Peter (1977). Soziale Plastik: Materialien zu Josef Beuys; Katalog documenta 6 Kassel
Franzke, Erich (1983). Der Mensch und sein Gestaltungserleben; Bern-Stuttgart- Wien Verlag Hans Huber
Menzen, Karl-Heinz (1990). Vom Umgang mit Bildern; Köln Claus Richter Verlag
Schottenloher, Gertraud, Hrsg. (1994) Wenn Worte fehlen, sprechen Bilder; München Kösel Verlag


Andy Chicken: 
Kreativität

Ein Persönlichkeitsmerkmal, das die Lebensgestaltung und Lebensbewältigung grundlegend mitbestimmte und im Lebensvollzug mit seelischer Gesundheit in Verbindung gebracht wird. Etwas Neues, bisher nicht Gedachtes zu denken, zu tun und zu gestalten und Dichotomien in Einheiten auflösen, zu integrieren. Kreativität ist nicht nur auf die künstlerischen, literarischen oder musikalischen Ausdrucksformen beschränkt. Der Zusammenhang zeigt sich auch in der Bewältigung des Alltags, im Kontakt mit Mitmenschen und in der sprachlichen Artikulation. Kunst und Kreativität werden von Kohut (S. 31) nicht nur als eine Möglichkeit zur Spannungsminderung, sondern auch der Ich-Stärkung angesehen. „Wir beobachten, dass Menschen entweder kreativ leben und das Leben für lebenswert halten, oder dass sie es nicht kreativ leben können und an seinem Wert zweifeln. Dieser Unterschied zwischen einzelnen Menschen hängt direkt mit der Qualität und Quantität der Umweltbedingungen zu Beginn oder in den ersten Phasen der individuellen Lebenserfahrung zusammen (Winnicott, S. 84). Mehr als alles andere ist es die kreative Wahrnehmung, die dem einzelnen das Gefühl gibt, dass das Leben lebenswert ist (Winnicott, S. 21). „Der intermediäre Bereich, von dem ich spreche, ist jener Bereich, der dem Kind zwischen primärer Kreativität und auf Realitätsprüfung beruhender, Objektiver Wahrnehmung zugestanden wird. Die Übergangsphänomene repräsentieren die frühen Stadien des Gebrauchs der Illusion, ohne den ein menschliches Wesen keinen Sinn in der Beziehung zu einem Objekt finden kann, das von anderen als Objekt wahrgenommen wird, das außerhalb des Kindes steht“ (Winnicott, S. 21). „Beim Menschen kann seine Spontaneität seiner Kreativität diametral entgegengesetzt sein. Der Katalysator der Kreativität ist die Spontaneität. Kreativität ist auf den ‚Akt’ selbst bezogen; Spontaneität ist auf die ‚Bereitschaft’ zum Akt bezogen“ (Jakob Levi Moreno).
Im humanistischen Ansatz wird Kreativität mit der Intensität des Wahrnehmens, der persönlichen Entfaltung und der Selbstverwirklichung in Verbindung gebracht. In der Kunsttherapie wird Wachstum, Fähigkeit zur Interaktion und Kommunikation, Selbstaktualisierung mit ’kreativen Medien’ trainiert und stimuliert.

Literatur:
Brodbeck, Karl-Heinz (1995). Entscheidung zur Kreativität; Darmstadt Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Guntern, Gottlieb Hrsg. (1993 - 1996). Internationales Zermatter Symposium: Kreativität in Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft; Dokumentationsbände zu den einzelnen Symposien; Zürich Scalo Verlag
Kohut, Heinz (1993). Die Heilung des Selbst; Frankfurt Suhrkamp Verlag
Petzold, Hilarion; Orth, Ilse (1990). Die neune Kreativitätstherapien Band 1 und 2; Paderborn Junfermann Verlag
Winnicott, Donald W. (1989). Vom Spiel zur Kreativität; Klett-Cotta Stuttgart
Neumann, Erich (1995). Der schöpferische Mensch; Fischer Verlag Frankfurt
Rothenberg, Albert (1989). Kreativität in der Psychotherapie; Edition Humanistische Psychologie Köln
Rubin, Judith Aron Hrsg. (1991). Richtungen und Ansätze der Kunsttherapie; Gerardi Verlag für Kunsttherapie Karlsruhe


Andy Chicken: Synästhesie

Die Stimulierung eines Sinnes ruft entsprechende Empfindungen in einer anderen Stimulations-Modalität hervor. Die häufigste Form von Synästhesie ist das Farbenhören: Klänge, Instrumente, wie zum Beispiel der Klang einer Geige evozieren gleichzeitig mit der auditiven Wahrnehmung das visuelle Bild einer bestimmten Farbe (Stern, S. 221). Es gibt aber auch andere Querverbindungen wie z.B. Hören/Tasten, Sehen/Riechen etc. Nach Daniel Norman Sterns Terminologie entspricht Synästhesie dem amodalen (nicht auf einen Sinn eingegrenzten) Wahrnehmungsmodus des Kleinkindes. „Fähigkeit – die in einer bestimmten Sinnesmodalität aufgenommene Information irgendwie in eine andere Sinnesmodalität übersetzen zu können (Stern, S. 79). „Kreuzmodale Assoziationen“ (Cytowic, S. 119) sind eigentlich eine Basis unseres Denkens, die von abstrakteren Ebenen überlagert, auf einer unbewussten Ebene ablaufen.
Bei Synästhetikern werden diese Assoziationen nicht ausgesondert, sondern brechen ins Bewusstsein durch. Auch im Sprachgebraucht taucht dieses Phänomen immer wieder auf; z.B. in Begriffen wie ‚Klangfarbe’. In der multimedialen Kunsttherapie wird die Synästhesie und die kreuzmodale Assoziation mit dem ‚intermedialen Transfer’ stimuliert, tiefe (frühe) Schichten der Psyche angesprochen und Selbstheilungsprozesse eingeleitet.

Literatur
Cytowic, Richard E. (1995). Farben hören, Töne schmecken; Dtv München
Stern, Daniel N. (1994). Die Lebenserfahrung des Säuglings; Klett-Cotta Stuttgart


Stella Mayr: Kunsttherapie

Sammelbegriff für ein therapeutisches Verfahren, das mit Medien arbeitet, deren sich auch Künstler bedienen. Sie umfasst das ganze Spektrum des menschlichen Ausdrucks. Die Kunsttherapie unterscheidet zwischen Kunsttherapie, die schwerpunktmäßig mit einem Medium arbeite, z.B. bildnerische Kunst, Musik, Tanztherapie; und Kunsttherapie, die mehrere Medien in ihre therapeutische Arbeit integriert, z.B. Ausdrucks-, intermediale und multimediale Kunsttherapie. Im Mittelpunkt kunsttherapeutischer Arbeit steht der nonverbale oder auch durch das Wort (Rollenspiel etc.) zum Ausdruck gebrachte, oft unbewusste seelische Zustand des Klienten. Rezeptive oder aktive kunsttherapeutische Anregungen seitens des Therapeuten erleichtern diesen Prozess. Das spezifische Charakteristikum der Kunsttherapie ist, dass sie auch in der Arbeit mit Menschen, die sich der Sprache nicht oder nur schwer bedienen können, erfolgreich eingesetzt werden kann. Die Aufarbeitung kunsttherapeutischer Prozesse wird durch den Ausbildungshintergrund des Kunsttherapeuten beeinflusst. Sie wir z.B. auf der Ebene der sozialen Beziehung, des künstlerischen Entstehungsprozesses, aber auch auf das Material und Werk bezogen, stattfinden.
    Der bewusste Einsatz einzelner Medien zum Zwecke der Beeinflussung psychischer und physischer Vorgänge erfolgte, geschichtlich gesehen, zu unterschiedlichen Zeiten. In den magischen Ritualen der Schamanen finden sich bereits ‚multimediale’ Inszenierungen (Rhythmus, Gesang, Tanz, Materialgestaltungen und Sprache). Mit dem ausklingenden 19. Jhdt. beginnen die naturwissenschaftlichen und medizinischen Untersuchungen, die den Einfluss der Musik auf psychische und physische Vorgänge zum Inhalt haben, und die sich bis heute fortsetzen. Zur gleichen Zeit erfolgt auch die Annäherung der bildnerischen Kunst zur Psychologie und Therapie. Die moderne Kunst bereitet den Boden für einen anthropologisch erweiterten Kunstbegriff. Anwendungsbereiche der Kunsttherapie sind ambulante und stationäre Einrichtungen der Psychiatrie, Psychosomatik, Rehabilitation, Heilpädagogik etc. Bewährt hat sie sich als Möglichkeit intensiver Selbsterfahrung sowie bei entsprechendem Ausbildungshintergrund als Psychotherapieform. Innerhalb diverser Psychotherapieschulen wird sie als Methodenerweiterung geschätzt.

Literatur
Knill, Paolo Juan (1979). Ausdruckstherapie; Ohlsen Verlag Halle
Petzold, Hilarion; Orth, Ilse (1990). Die neune Kreativitätstherapien Band 1 und 2; Paderborn Junfermann Verlag
Schottenloher, Gertraud, Hrsg. (1994) Wenn Worte fehlen, sprechen Bilder; München Kösel Verlag


Stella Mayr: Intermediale Verstärkung

Dieser von Paolo Knill geprägte Begriff besagt, dass der ‚intermediale Transfer’ dazu dienen kann, ein Erlebnis zu intensivieren, in Berührung mit bisher unentdeckten Gefühlen zu kommen, einen stärkeren Ausdruck bzw. eine umfassende ‚Katharsis’ zu erreichen und den Gruppenprozess zu intensivieren. Entsprechend diesen Zielen wird der Kunsttherapeut in Kenntnis der schwerpunktmäßigen Wirkung der einzelnen Medien seine Anregungen zum ‚multimedialen Transfer geben. In der Praxis wird ein schrittweiser Transfer bevorzugt, der eine allmähliche Entwicklung der oben angeführten Ziele in Hinblick auf ihre Verstärkung ermöglicht.

Literatur
Knill, Paolo Juan (1979). Ausdruckstherapie; Ohlsen Verlag Halle


Stella Mayr: Rezeptive Kunsttherapie

Durch die sinnliche Wahrnehmung künstlerischer Ausdrucksformen (z.B. Bildbetrachtung, Musikhören etc.) wird psychisches Material in Bewegung gesetzt und beeinflusst. Z.B. können über den gezielten Einsatz rezeptiver kunsttherapeutischer Angebote Stimmungen beeinflusst, Entspannung oder Aktivität hervorgerufen, als auch Assoziationen oder Erinnerungen mobilisiert werden. Durch sie kann auf das Vegetativum starker Einfluss ausgeübt werden (.z.B. auf Atmung und Herzschlag). Älteste bewusste Anwendungen rezeptiver Kunsttherapie erfolgten über das Medium Musik. Über die Wirkungen dieses Mediums gibt es auch die meisten wissenschaftlichen Arbeiten. Hans Helmut Decker-Voigt beschreibt eine eigene rezeptive Musikpsychotherapie. Innerhalb der diversen Kunsttherapierichtungen und da insbesondere im Rahmen der multimedialen, haben die rezeptiven Angebote ihren festen Platz (z.B. technische Medien wie Video, Film Tonband, CD, Fotographie etc. sowie Live-Aufführungen unterschiedlicher Art).
Für intensive Rezeption im Museum wurden spezielle Designs entwickelt. Die Eindrücke und Wirkungen dieser Angebote werden nach der Rezeption reflektiert und aufgearbeitet. Im Gegensatz zur rezeptiven Kunsttherapie steht die häufiger angewandte aktive Kunsttherapie, bei der die Umsetzung innerpsychischer Vorgänge in von außen wahrnehmbare Zeichen (z.B. Tanzen, Malen, Pantomime) erfolgt. 

Literatur
Decker-Voigt, Hans Helmut (1991). Aus der Seele gespielt; Wilhelm Goldmann Verlag München


Siegrid Sommer: Ausdruck

Im Ausdruck werden innerpsychische Zustände oder Vorgänge in körperlichen Erscheinungen, Verhaltensweisen und Ergebnissen menschlicher Tätigkeiten wahrnehmbar. Menschliche Ausdrucksformen können verbal oder nonverbal sein. Dazu gehören einerseits beispielsweise Physiognomie, Mimik, Pantomime, Gestik und Motorik, Stimme und Sprechweise, Handschrift und andererseits Ergebnisse von Gestaltungen wie Zeichnungen, Musik, Kunstwerke etc.
Bedeutsam für die Kunsttherapie sind der ‚direkte Gefühlsausdruck’ (Knill 1979) eines Menschen durch verbale und nonverbale Äußerungen, wie auch der ‚künstlerische Ausdruck’ in Form von verbalen und nonverbalen Gestaltungen (Gestaltungsprozess) – oft unter Einbeziehen kreativer Medien. Die Wechselwirkung zwischen beiden spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. So können ‚Gefühlsausdruck’ und ‚künstlerischer Ausdruck’ sich gegenseitig unterstützen. Ausdruck und Wahrnehmung sind notwendige Bestandteile jeder Kommunikation. In der Kunsttherapie dient der künstlerische Ausdruck auch als Mittel, um Beziehung und Kommunikation zu fördern, die durch die Interaktion der Menschen, die zusammen arbeiten, entsteht.
Kunst kann als eines der ursprünglichsten Ausdrucksmittel des Menschen angesehen werden. Sie ermöglicht daher besonders wirkungsvoll, für den eigenen Ausdruck empfänglich zu werden, seine Bedeutung wahrzunehmen und die Ausdruckskompetenz zu steigern. Die verschiedenen Richtungen der Kunsttherapie konzentrieren sich entweder überwiegend auf die Arbeit mit einem Ausdrucksmedium oder sie kombinieren mehrere Medien wie z.B. die Ausdruckstherapie (Knill 1979), die intermediale Kunsttherapie (Petzold u.a.) oder die multimediale Kunsttherapie (Wiener Institut für multimediale Kunsttherapie).

Literatur
Knill, Paolo Juan (1979). Ausdruckstherapie; Ohlsen Verlag Halle


Siegrid Sommer: Intermedialer Transfer

Als ‚intermedialen Transfer’ bezeichnet man ein Konzept aus der Ausdruckstherapie, das auch in der multimedialen Kunsttherapie angewandt wird. „Wenn man in einem bestimmten Ausdrucksmedium arbeitet und dann direkt zu einem anderen Medium übergeht, wobei die Erfahrungen und Ergebnisse des vorangegangenen Prozesses miteinbezogen werden, wird dieser Wechsel ‚intermedialer Transfer’ genannt“ (Knill 1979, S. 82).
    Eine verbale Reflexion findet bei dieser Arbeitsweise in der Regel erst am Schluss des gesamten Prozesses statt, sodass der unmittelbare künstlerische Ausdruck in den verschiedenen Kommunikationsmedien ununterbrochen im Fluss bleibt. Das Experimentieren mit unterschiedlichen Medien bewirkt sowohl eine medienspezifische Selbsterfahrung als auch eine Sensibilisierung für das einzelne Medium in Abgrenzung zu anderen Medien. Zusätzlich weckt der wirkungsvolle Wechsel der Medien ein gesteigertes Empfinden für Übergänge und das Erleben des Verbindens von Unterschieden, die in ihrer Eigenart bestehen bleiben dürfen. Alle Sinne werden umfassend angeregt (Synästhesie) und die kreativen Ausdrucksmöglichkeiten vertieft und erweitert. Die einzelnen Medien haben eine unterschiedliche sozialpsychologische Wirkung: So hat z.B. visuell-optisches Gestalten wie Malen eine mehr individualisierende, hingegen Tanz eine mehr interaktive Wirkung. „Wenn ein Transfer in ein anderes Medium des künstlerischen Ausdrucks eine reflektierte und integrative Verarbeitung fördert, spricht man von ‚intermedialer Verarbeitung’“ (Knill 1979, S. 103).

Literatur
Knill, Paolo Juan (1979). Ausdruckstherapie; Ohlsen Verlag Halle


Siegrid Sommer: Multimedial

Dieser Begriff bezieht sich ursprünglich auf multimediale Veranstaltungen, bei denen visuelle und akustische Medien zusammen eingesetzt werden (moderne Formen des Gesamtkunstwerks). Die Psychotherapie integrierte schon in ihren Anfängen verschiedene Kunstformen wie Theater, Musik oder bildnerische Künste (Jung, Moreno, Perls). In den letzten Jahrzehnten entwickelten sich in den USA und Europa psychotherapeutische Konzepte, die mehrere künstlerische Ausdrucksformen zusammen oder in Abfolge im therapeutisch künstlerischen Prozess einsetzen: z.B. Musik, Tanz, Malerei, Plastik, Literatur, Theater, Pantomime, Video, Arbeit mit Masken, Improvisation u.a. Diese ‚multimediale’ Arbeitsweise wird durch begleitende Reflexion und theoretische Konzepte ergänzt. Auch die rezeptive Kunsttherapie wird miteinbezogen.
    Ziel der ‚multimedialen’ Arbeitsweise ist es, die spezifischen Eigenschaften der verschiedenen kreativen Ausdrucksformen für den psychotherapeutischen Prozess zu nutzen und diese wirkungsvoll zu kombinieren (siehe intermedialer Transfer). Im Mittelpunkt steht die Entfaltung des kreativen Potentials sowie die Erweiterung des therapeutischen Handlungsspielraumes, der Zugang zu oft unbewussten Ressourcen und Konflikten, das Erweitern von Wahlmöglichkeiten in Einstellung Verhalten. Die Teilnehmer können zudem je nach Neigung und Begabung zwischen mehreren Ausdrucksformen wählen sowie neue Erfahrungen mit bislang unbekannten Medien machen. Multimediale Kunsttherapie ermöglicht eine alle Sinne umfassende ‚totale Kommunikation’. Sie fördert die Integration unbewusster Inhalte und stimuliert analoges und vernetztes Denken. 

Literatur
Knill, Paolo Juan (1979). Ausdruckstherapie; Ohlsen Verlag Halle
Petzold, Hilarion; Orth, Ilse (1990). Die neune Kreativitätstherapien Band 1 und 2; Paderborn Junfermann Verlag


Thomas Mayr: Symbolik

In der Kunsttherapie betrifft dies Inhalte, die im Gestaltungsprozess und im künstlerischen Produkt zum Ausdruck kommen. Persönliche Inhalte werden in der kunsttherapeutischen Sitzung größtenteils unbewusst, im jeweiligen Medium in symbolischer Form ausgedrückt und dargestellt. Ähnlich wie Winnicott (1973) das Kinderspiel als freien symbolischen Umgang mit der inneren wie der äußeren Welt beschrieben hat, bietet die Kunsttherapie einen Spielraum für Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten und Kreativität.
Die Auswahl der Medien und die Art ihrer Anwendung ermöglichen Auseinandersetzungen, die auf symbolischem Weg wichtige unbewusste Inhalte transportieren, ordnen und neu organisieren. Diese symbolischen Aktivitäten und Schöpfungen können in der kunsttherapeutischen Sitzung durch Zeichnen und Malen, durch Formen von Ton, durch Bewegungsimprovisation, durch literarische Aktivität, Spiel mit Musikinstrumenten (auch durch Einsatz von Stimme und Geräuschen) etc. oder durch Verknüpfung der verschiedenen Medien (multimedial) entstehen. Nicht nur das symbolische künstlerische Produkt ist von Bedeutung. Oft steht der Weg des Entstehens, die Auseinandersetzung mit dem Medium im Mittelpunkt (Gestaltungsprozess).

Die Auseinandersetzung mit Material ermöglicht konkretes, spontanes und kreatives Handeln mit Sichtbarem, Hörbarem, Fühlbarem und Greifbarem (also Begreifbarem) im symbolischen Raum, das seinen Sinn nicht dauernd preisgeben muss. So kann in der Kunsttherapie im Gespräch über ein künstlerisches Produkt oder über seinen Werdegang die symbolische Ebene je nach den Bedürfnissen des Klienten mehr oder weniger verlassen werden. Therapeut und Klient können sich z.B. auf ein entstandenes Bild in der Form beziehen, dass beschrieben wird, was dargestellt wird, oder sie können sich mehr oder weniger damit auseinandersetzen, was das Dargestellte über den Klienten selbst aussagt, was es mit seiner Realität zu tun hat (vgl. Rubin 1984). Diese Möglichkeit, auf symbolischer Ebene zu bleiben (z.B. über einen im Bild dargestellten Vulkan zu sprechen, ohne die diesem Symbol beim Klienten zugrunde liegenden Emotionen anzusprechen), gibt dem Klienten die Möglichkeit, sich sicher zu fühlen und trotzdem für sich wichtige Auseinandersetzungen führen zu können.     

Literatur:
Rubin, Judith Aron Hrsg. (1991). Richtungen und Ansätze der Kunsttherapie; Gerardi Verlag für Kunsttherapie Karlsruhe
Winnicott, Donald W. (1989). Vom Spiel zur Kreativität; Klett-Cotta Stuttgart


Thomas Mayr: Kreative Medien

Der Begriff ist für die in der Kunsttherapie verwendeten künstlerischen Methoden, Techniken und Medien. Die spezifischen Eigenschaften der verschiedenen kreativen Medien und ihre Kombination werden in der Kunsttherapie im Hinblick auf interpersonale und intrapersonale Aspekte für den therapeutischen Prozess genutzt und bestimmen so die Auswahl der Medien in der Therapie mit (vgl. Knill, 1979). Durch die Arbeit mit kreativen Medien wie Tanzen, Malen, Pantomime, Schreiben, Musizieren etc. findet der in der Kunsttherapie wichtige ‚Gestaltungsprozess im symbolischen Raum’ statt.

Literatur
Knill, Paolo Juan (1979). Ausdruckstherapie; Ohlsen Verlag Halle
Knill, Paolo Juan (1991). Neue Entwicklungen der Therapie mit kreativen Medien in: Petzold, Hilarion; Orth, Ilse (1990). Die neune Kreativitätstherapien Band 1 und 2; Paderborn Junfermann Verlag


Thomas Mayr: Nonverbal

Der Begriff beinhaltet im Grunde alle nichtsprachlichen Ausdrucks-, Wahrnehmungs- und Erlebnisweisen des Menschen. Das Nonverbale ermöglicht Verständigung auch über sprachliche Barrieren hinweg. Forschungen von Daniel N. Stern über die Bedeutung der globalen Erlebnisweisen vor dem Spracherwerb zeigen die Wichtigkeit der averbalen Welt des Kleinkindes in ihrer Bezogenheit zur Welt der Sprache der Erwachsenen. Die Entwicklung zum Erwachsenen und sein Leben werden durch sie nachhaltig beeinflusst. Die Kunsttherapie nützt, wenn sie mit dem Klienten mit kreativen Medien arbeitet, die authentischen Erlebnis- und Ausdrucksmöglichkeiten der averbalen Interaktion für den therapeutischen Prozess und schafft neue versöhnlichere Übergänge zum Erwachsensein. Beim Eintauchen in die Welt des averbalen kommt der Klient wieder in spielerischer und experimenteller Weise mit verschütteten Fähigkeiten in Kontakt, welche mitteilbar und reflektierbar werden.